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Lemgo - 30.05.2012 | Leichtbauoffensive OWL präsentiert neue Entwicklungen
Im Juni 2010 hatte das erste Möbelleichtbau-Symposium als Auftaktveranstaltung des Förderprojekts „Leichtbauoffensive OWL“ ein großes Echo in der Branche gefunden. Seitdem haben Projektleiter Prof. Martin Stosch und das Team rund um Projektmanager Torben Hellmann umfangreiche Grundlagenforschungen rund um die Entwicklung und Bewertung von Leichtbaulösungen im Möbelbau durchgeführt. Die Ergebnisse wurden der Branche nun öffentlich vorgestellt. Projektleiter Stosch: „Der aktive Wissens-Transfer in die Branche gehört zu den Hauptaufgaben der Offensive.Mit unserem Möbelleichtbau-Symposium, das für alle Teilnehmer kostenlos ist, bieten wir ein breit angelegtes Forum zur Diskussion und zur Information rund um die Chancen und Potenziale von Leichtbaukonzepten im Möbelbau.“
Die Arbeit des Teams der Leichtbauoffensive OWL am Standort Lemgo umfasst die Bereiche Qualitäts- und Normungsarbeit, Stoffstromanalysen, Werkstoffprüfungen, Delphistudie sowie Aus- und Weiterbildung. Auf dem Symposium wurden nun die wichtigsten Zwischenergebnisse der Fachöffentlichkeit vorgestellt, so zum Beispiel zur Entwicklung von Verarbeitungsregeln für eine prozesssichere Verarbeitung von Leichtbauplatten. Bis zum Projektende 2013 sind weitere Möbelprüfungen, spezielle Beschlaguntersuchungen und abschließend die Definition von Werkstoff-Klassifizierungen geplant. Im Bereich Qualität und Normung wurden Prüfverfahren und mechanische Modelle erarbeitet, die zur Erstellung von technischen Merkblättern für Werkstoffe im Möbelleichtbau führen. Das erste Etappenziel, die Überführung der Entwurfsvorlage „pr.CEN/TS“ in eine Technische Spezifikation „CEN/TS“, wird bald erreicht sein: Die Abstimmung über die Einführung in den Normungsgremien steht bevor.
Das Symposium bot den Teilnehmern viel Raum zur Inspiration und zum intensiven Ideenaustausch untereinander. Das Fachprogramm wurde durch eine gemeinsame Abendveranstaltung im Westfälischen Freilichtmuseum in Detmold ergänzt. In 31 Impulsvorträgen berichteten Branchenexperten aus Forschung, Möbelindustrie und Handwerk, aber auch aus anderen Wirtschaftsbereichen über ihre Praxiserfahrungen, Konzepte und Entwicklungen. Der Bogen war weit gespannt. Von der Automobil- über den Windkraftanlagenbau bis zu neuen Materialien für Architektur und Innenausbau reichte die Themenpalette. Die Bedeutung des Themas Leichtbau für die Holz- und Möbelbranche wurde durch die Tatsache bestätigt, dass sich Katariina Rohrbach (Deutsche Messe AG, Hannover) und Matthias Pollmann (Koelnmesse GmbH, Köln) als Vertreter von zwei Weltleitmesse-Veranstaltern die Moderation des zweiten Veranstaltungstages teilten.
„Wir glauben an die Zukunft des Leichtbaus“, erklärte Dr. Lucas Heumann, Hauptgeschäftsführer der Verbände der Holz- und Möbelindustrie Nordrhein-Westfalen e.V. (Herford) den Zuhörern im gut gefüllten Audimax. Leichtbaukonstruktionen ermöglichten neue technische Funktionen, andere Dimensionierungen und größere Spannweiten der Elemente. Längst gibt es für den Leichtbau geeignete Werkzeuge und Verbindungstechniken. Aber der Teufel steckt bekanntlich im Detail. Die Tatsache, dass die Leichtbaumöbel noch immer im Prototyp-Stadium seien, zeige, dass es noch Defizite gebe. Diese müssten von den Branchenakteuren gemeinsam angegangen werden, zum Beispiel in Netzwerken wie der Interessengemeinschaft Leichtbau e.V. (igeL). Denn der Leichtbau bietet laut Dr. Heumann genügend Aspekte, die in Zukunft noch große Bedeutung für die Branche erhalten werden.
Das bestätigte Prof. Dr. Ralf E. Ulrich in seinem Auftaktvortrag zur demografischen Entwicklung in Deutschland: Drohender Nachwuchsmangel bei gleichzeitig alternden Belegschaften werden in der Möbelindustrie ein Umdenken und neue Strategien erfordern, so sein Fazit. Hier könnte der Möbelleichtbau für die sinnvolle Gestaltung altersgerechter Arbeitsplätze im Wortsinn eine „tragende Rolle“ spielen: Leichtere Werkstücke schonen Rücken und Gelenke der Mitarbeiter.
Ähnliche Vorteile bietet Leichtbau im Bereich der Neumöbellogistik. Marktexperten wie Winfried Titze gehen davon aus, dass der Anteil des E-Commerce stark steigen wird – und damit auch die Notwendigkeit, die individuell bestellte Ware direkt zum Endverbraucher zu liefern. Dabei kommt ein niedriges Packgewicht dem Fahrer zugute und senkt außerdem die Logistikkosten für das Transportunternehmen: gute Argumente für leichte Möbelkonzepte. Titze appellierte an die Möbelhersteller, das Informationsdefizit von Leichtbaumöbeln beim Endverbraucher zu überwinden, sich mit neuen, direkten Vertriebswegen zu beschäftigen und die Vorzüge des Leichtbaus gezielt an die Kunden zu kommunizieren.
Dass immer wieder neue, erfolgversprechende Werkstoffkonzepte in Sachen Leichtbau erdacht werden, zeigte unter anderem der Vortrag von Dr. Tomas Joščák. Sein Unternehmen entwickelt derzeit in Kooperation mit weiteren Partnern eine leichte Faserplatte, bei der die Dichte im Werkstoff durch neue Verfahren nicht homogen, sondern unterschiedlich verteilt wird. Da keine Hohlräume entstünden, seien auch keine speziellen Verbindungsmittel oder Spezialwerkzeuge notwendig. Das mache die neue Platte zu einem universellen Produkt, so Dr. Joščák. Die Markteinführung des ersten Produkts ist für 2013 geplant.
Ein beeindruckendes Plädoyer für den leichten Möbel- und Innenausbau im Handwerk lieferte der Tiroler Tischlermeister Sepp Hofer, der in seinem Betrieb nach anfänglichen Schwierigkeiten zahlreiche hochwertige Leichtbau-Projekte für seine Kunden realisiert hat – von Zimmerdecken, über Tische, Bettausbauten, Kücheneinrichtungen, Schränke, Garderoben oder Regale bis hin zu Treppen. Man setze Leichtbau nur dort ein, wo er sinnvoll sei, erklärte Hofer. Die Verarbeitung erfolge auf Standardmaschinen im Betrieb. Das geringe Materialgewicht biete einen wichtigen Zusatznutzen für die Handwerker: Die Leichtbau-Einzelteile ließen sich ohne Kran oder Lastenaufzug und mit weniger Personal sogar bis in die oberen Stockwerke tragen.
Auch wenn die Landesförderung für die Leichtbauoffensive OWL Anfang 2013 ausläuft, wird das Engagement für den Leichtbau weiter gehen. Wie Projektleiter Prof. Martin Stosch ankündigte, wird es auch 2014 wieder ein großes Möbelleichtbau-Symposium geben: „Wir möchten Ihnen im Rahmen dieses kreativen und kommunikativen Forums weiterhin die neuesten Ideen und Entwicklungen vorwettbewerblich vorstellen. Eins ist sicher: Wir bleiben hart am Leichtbau!“
(Pressemitteilung vom 30.05.2012)
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