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Küchenmöbelindustrie: Auftragslage stabilisiert sich weiter

Umsatz legt bis Ende Juli um 2 Prozent zu / Prognose für das Gesamtjahr 2026: Umsatz leicht über Vorjahr

HERFORD/LÖHNE den

Die deutschen Küchenmöbelhersteller blicken vorsichtig optimistisch auf die kommenden Monate, wie Jan Kurth, Geschäftsführer des Verbands der Deutschen Küchenmöbelindustrie e.V. (VdDK), heute auf der Jahres-Wirtschaftspressekonferenz in Löhne berichtete. „Die Auftragslage hat sich im Jahresverlauf weiter stabilisiert“, stellte er fest.

In den ersten sieben Monaten dieses Jahres setzten die 43 Betriebe mit ihren 17.300 Beschäftigten laut amtlicher Statistik rund 3,4 Milliarden Euro um, ein Plus von 2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Dabei gelang im Export (plus 2,8 Prozent auf rund 1,6 Milliarden Euro) ein stärkerer Zuwachs als auf dem Heimatmarkt (plus 1,4 Prozent auf rund 1,8 Milliarden Euro). Die Exportquote erhöhte sich leicht auf 46,7 Prozent (Vorjahr: 46,2 Prozent). Die Küchenmöbelindustrie ist damit deutlich stärker im Ausland vertreten als die gesamte deutsche Möbelindustrie, die eine Exportquote von 35,3 Prozent aufweist. 

Im Monat Juli verbuchte die deutsche Küchenmöbelindustrie eine kräftige Umsatzsteigerung um knapp 9 Prozent auf 466 Millionen Euro. „Dieser Zuwachs ist sehr erfreulich, sollte angesichts des schwachen Vorjahresniveaus und des etwas späteren Ferienstarts aber nicht überinterpretiert werden“, sagte Kurth. „Wir sehen zwar eine Stabilisierung der Nachfrage, bleiben aber angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen nach wie vor vorsichtig.“ Der Anteil der Kurzarbeit liegt im dritten Quartal mit 13 Prozent deutlich unter dem Wert in der gesamten deutschen Möbelindustrie (40 Prozent), wie eine Verbandsumfrage ergeben hat.

Die Auftragslage der Branche habe sich in den vergangenen Monaten gefestigt, berichtete der VdDK-Geschäftsführer. Von Januar bis August dieses Jahres übertraf der wertmäßige Auftragseingang der deutschen Küchenmöbelindustrie nach verbandsinternen Erhebungen das Vorjahresniveau um 1,9 Prozent. Gemessen an den Stückzahlen belief sich das Plus auf 0,7 Prozent.

Der Blick auf die wichtigsten europäischen Absatzmärkte fällt gemischt aus. Im ersten Halbjahr 2026 sanken die Küchenmöbelausfuhren nach Frankreich, dem wichtigsten Exportmarkt, um 1,9 Prozent auf 294,5 Millionen Euro. Rückläufig entwickelte sich laut der amtlichen Außenhandelsstatistik auch der Absatz in Großbritannien (minus 4,6 Prozent). Deutlich zulegen konnten die deutschen Hersteller dagegen bei ihren Lieferungen in die Niederlande (plus 5 Prozent), in die Schweiz (plus 12,4 Prozent), nach Belgien (plus 6,9 Prozent) sowie nach Spanien (plus 1 Prozent).

Bei den außereuropäischen Absatzregionen sticht das starke Wachstum in Südkorea hervor. Mit einem Plus bei den Ausfuhren von 20,8 Prozent rückte das Land von Platz 12 auf Platz 9 der wichtigsten Exportmärkte vor. In China wiederum kam es zu einer Einbuße von 20,6 Prozent. „Neben der schwachen Binnen- und Baukonjunktur sind unsere Hersteller dort Wettbewerbsnachteilen ausgesetzt, die aus der erheblichen Unterbewertung der chinesischen Währung und der massiven Subventionierung chinesischer Möbelhersteller resultieren“, sagte Kurth.

In den Vereinigten Staaten mussten die deutschen Küchenmöbelhersteller einen Rückgang ihrer Ausfuhren um 37,5 Prozent hinnehmen. Die US-Einfuhrzölle führten weiterhin zu hoher Verunsicherung und verschlechterten die Wettbewerbschancen deutscher Anbieter auf dem amerikanischen Markt, berichtete er. Gleichwohl sehe die Branche mittelfristig Wachstumspotenzial in Nordamerika. „Wir glauben weiter an diesem Markt.“ Im sechsten Jahr in Folge werde es daher einen vom Bund geförderten deutschen Gemeinschaftsstand auf der bedeutenden Küchenfachmesse KBIS (2. bis 4. Februar 2027 in Las Vegas) geben. Die Exporte nach Saudi-Arabien (minus 24,1 Prozent) wiederum litten unter den Auswirkungen des Iran-Kriegs.

Rückläufig entwickelten sich unterdessen die Küchenmöbelimporte nach Deutschland, die bei diesem Segment – anders als etwa bei Polster- oder Wohnmöbeln – mit einem Importanteil von nur 4,3 Prozent geringe Bedeutung haben. So sanken die Küchenmöbeleinfuhren in den ersten sechs Monaten dieses Jahres um 9,2 Prozent auf rund 77 Millionen Euro. Das mit großem Anstand wichtigste Lieferland Polen, das für 34 Prozent aller Importe steht, konnte um 7,4 Prozent zulegen. Weniger Küchen als im Vorjahr wurden unterdessen aus Litauen (minus 4,2 Prozent), Italien (minus 35,8 Prozent), Österreich (minus 5,5 Prozent) und China (minus 58,4 Prozent) geliefert.

Neben der schwachen Anschaffungsneigung der Verbraucherinnen und Verbraucher bekomme die Küchenbranche die Folgen des rückläufigen Wohnungsbaus zu spüren, berichtete Kurth. Die Zahl der fertiggestellten Wohnungen wird einer Prognose des Ifo-Instituts in diesem Jahr weiter auf 185.000 sinken und erst ab 2027 leicht ansteigen. Wenn weniger gebaut werde, falle der Einrichtungsbedarf entsprechend niedriger aus. Nicht nur würden weniger neu gebaute Wohnungen eingerichtet, auch verringere sich die Anzahl der dadurch ausgelösten Umzüge in der Kette. Erfahrungsgemäß zieht ein Neubau inklusive der Folgeumzüge den Kauf von zwei bis drei neuen Küchen nach sich. 

Aus VdDK-Sicht ist die Politik gefordert, den Wohnungsbau stärker anzukurbeln, etwa durch bessere steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten. Potenzial biete sich unter anderem bei Gebäudesanierungen. „Wir schlagen vor, in diesem Bereich gezielt Investitionsanreize zu setzen“, sagte Kurth. Bei energetischen Sanierungen sollten die sofort steuerlich geltend machbaren Erhaltungsaufwendungen von derzeit 15 Prozent auf 50 Prozent des Gebäudewerts angehoben werden, forderte er. Die geltende Begrenzung der sofort abziehbaren Erhaltungsaufwendungen führe dazu, dass notwendige Sanierungen aufgeschoben oder unterlassen würden. Das Renovierungsgeschäft biete der Möbelindustrie gute Wachstumschancen.

Mit einer Wohneigentumsquote von nur 43,5 Prozent belegt Deutschland im europäischen Vergleich den letzten Platz, wie eine Studie des Pestel-Instituts ergeben hat. Der Wert liegt damit auf dem niedrigsten Stand seit zwanzig Jahren. Als Ursachen nennt das Institut hohe Baukosten, gestiegene Zinsen und die Wohnungsbaupolitik der vergangenen Jahre. „Eigentümer investieren nicht nur mehr in die Einrichtung als Mieter. Mehr Eigentum bedeutet auch mehr Neu- oder Umbau, mehr Umzüge und damit mehr Dynamik im Immobilienmarkt”, stellte der Verbandsgeschäftsführer fest. 

Sorgen bereiten der Branche Kurth zufolge zudem die wieder anziehenden Preise für Vorprodukte. Vor allem die Unsicherheiten auf den Rohstoffmärkten infolge der Spannungen im Nahen Osten haben die Beschaffung verteuert. Betroffen sind vor allem Transportdienstleistungen, aber auch Holzwerkstoffe, für deren Herstellung auf Harnstoff basierende Harze benötigt werden, Metallkomponenten und Kunststoffteile. Die daraus resultierenden Kostensteigerungen belasten die Küchenmöbelhersteller zusätzlich in einem ohnehin anspruchsvollen Marktumfeld.

Darüber hinaus leidet die deutsche Küchenmöbelindustrie unter der wachsenden Regulierungsdichte in Europa, wie Kurth erläuterte. Zahlreiche neue europäische Regulierungsvorhaben wie die Ökodesign-Verordnung samt dem Digitalen Produktpass, die Verpackungsverordnung oder die EmpCo-Richtlinie gegen Greenwashing verursachten einen erheblichen Verwaltungsaufwand. Besonders mittelständische Hersteller stünden vor der Herausforderung, umfangreiche Daten- und Nachweispflichten entlang der gesamten Lieferkette zu erfüllen. Grundsätzlich unterstütze die Branche das Ziel eines nachhaltigeren Wirtschaftens. Die Regulierung müsse jedoch ökologische Anforderungen mit praktikablen und wirtschaftlich tragfähigen Umsetzungswegen in Einklang bringen

Die deutsche Küchenmöbelindustrie verfolge seit Jahren einen konsequenten Nachhaltigkeitskurs, betonte der Verbandsgeschäftsführer. Kurze Lieferwege, Holz aus zertifizierter Forstwirtschaft, der Ausbau erneuerbarer Energien und der verstärkte Einsatz von Recyclingmaterialien prägten die Produktion. Gleichzeitig sorge die hohe Qualität der Produkte für eine lange Nutzungsdauer und reduziere den Bedarf an Neuanschaffungen.

Eine der größten Herausforderungen der deutschen Küchenmöbelindustrie stelle der Fachkräftemangel dar, so Kurth weiter. Um qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem In- und Ausland für den Standort zu gewinnen, investiere die Branche in attraktive Rahmenbedingungen. „Ein wichtiger Baustein ist das kürzlich eröffnete Boardinghouse der Lehrfabrik Möbelindustrie, das Auszubildenden und Fachkräften während ihrer beruflichen Qualifikation moderne Wohnmöglichkeiten auf Zeit im Herzen der deutschen Küchenmöbelregion bietet.“ Das „Werre-Quartier Boardinghouse Löhne“ verfügt über 30 möblierte Zimmer und soll neue Möglichkeiten für die Aus- und Weiterbildung sowie für ein branchenübergreifendes Onboarding in Ostwestfalen-Lippe schaffen.

Für das Gesamtjahr 2026 rechnet Kurth für die deutsche Küchenmöbelindustrie mit einem kleinen Umsatzplus im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Zuversicht schöpfe die Branche aus der seit Monaten stabilen Auftragsentwicklung und der wieder anziehenden Nachfrage in wichtigen europäischen Absatzmärkten. Nach drei Jahren mit rückläufigen Umsätzen zeichne sich damit eine schrittweise Marktbelebung ab, auch wenn das wirtschaftliche Umfeld weiterhin von Unsicherheiten geprägt bleibe. Zur Aufhellung der Konsumstimmung in Deutschland forderte er eine schnelle Entlastung der Verbraucherinnen und Verbraucher sowie des verarbeitenden Gewerbes bei den stark gestiegenen Kraftstoffpreisen. 

Der Stellenwert der Küche sei in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen, stellte Kurth fest. Die Einbauküche habe sich seit den Anfängen als “Frankfurter Küche”, die vor 100 Jahren das Wohnen revolutionierte, vom funktionalen Arbeitsraum zum Mittelpunkt des Wohnens entwickelt. Als Treffpunkt für Familie und Freunde, als Ort des Genusses und der Kommunikation präge sie heute das Zuhause vieler Menschen stärker denn je. „Die gestiegene Bedeutung der Küche als zentraler Lebensraum, die hohe Effizienz der Produktion und die Innovationskraft der Unternehmen stimmen unsere Branche trotz der bestehenden Herausforderungen insgesamt optimistisch.“ Zudem böten sich den Herstellern Chancen in der Ausstattung weiterer Wohnbereiche wie Essen, Wohnen, Flur und Hauswirtschaftsraum. Vor allem im Ausland sei dieses übergreifende Vermarktungskonzept im Handel schon weit fortgeschritten.

Bei der farblichen Gestaltung der Küchen setzen sich die warmen und natürlichen Töne weiter durch, wie Pressesprecherin Christine Scharrenbroch berichtete. So erfreuen sich vor allem Beige-, Sand-, Braun- und Taupetöne immer stärkerer Beliebtheit. Im Trend liegen zudem erdige, leicht rötliche Töne wie Terracotta oder Mokka. Dazu passen beispielsweise neuartige, metallisch anmutende Oberflächen mit Bronze-Optik oder strukturierte Kunststofffronten. 

Als Material für die Arbeitsplatten gewinnt derzeit Naturstein stark an Bedeutung, gefolgt von Keramik, Quarzkomposit und Schichtstoff, wie eine aktuelle Verbandsumfrage ergeben hat. Beim Wunsch nach einer wohnlichen Gestaltung spielt zudem Holz eine zentrale Rolle, sei es als hochwertiges Holzdekor, als Furnier oder Massivholz. Auch holzfarbene Griffleisten kommen verstärkt zum Einsatz. Neu sind Vitrinenschränke mit filigranen, vertikal angeordneten Echtholzlamellen.

Organische, abgerundete Formen bleiben genauso angesagt wie zierliche Rahmenfronten, die sowohl im modernen Landhausstil als auch beim Japandi- und Nordic-Style prägend sind. Daneben spielen Funktionalität, Stauraumoptimierung und ergonomische Lösungen eine immer größere Rolle. So gibt es zum Beispiel die beliebten Falt-Einschiebetüren nun auch für Aufsatzschränke. Wichtiger werden durchgehende Beleuchtungskonzepte für die Küche und auch den angrenzenden Wohn- und Essbereich.